VICES – Volcanic Impacts on Climate, Environment and Society
Prof. Dr. Heli Huhtamaa, Dr. Zhen Yang, M.A. Niklaus Bartlome, M.Sc. Richard Warren
Große Vulkanausbrüche können erhebliche Auswirkungen auf das Klima haben, und diese klimatischen Störungen können wiederum weit entfernt vom Ort des Ausbruchs schwerwiegende Folgen für die Menschen haben. Um diese weitreichenden Zusammenhänge zwischen Vulkanausbrüchen, Klima und Gesellschaft besser zu verstehen, müssen wir weiter in die Vergangenheit blicken, da es in unserer jüngeren Vergangenheit nur eine begrenzte Anzahl großer Ausbrüche gab.
In diesem interdisziplinären Projekt untersuchen wir die klimatischen und gesellschaftlichen Auswirkungen vergangener Vulkanausbrüche vom Spätmittelalter bis zur Moderne. Wir arbeiten eng mit anderen Forschungsgruppen am Oeschger Centre for Climate Change Research zusammen, insbesondere mit den Gruppen „Past volcanism and climate impact“ und „Climatology“.
Unser besonderes Interesse gilt den indirekten klimatischen und gesellschaftlichen Auswirkungen, wie beispielsweise dynamischen Reaktionen des Winterklimas, behördlichen Maßnahmen und Bewältigungsstrategien an der Basis. Darüber hinaus untersuchen wir, inwieweit die festgestellten gesellschaftlichen Auswirkungen auf vulkanisch bedingte Klimastörungen zurückzuführen sind und inwieweit bestehende sozio-ökologische Bedingungen sowie sich entwickelnde menschliche Handlungen diese Ereignisse erklären. Zu diesem Zweck führen wir systematische Längsschnitt-Fallstudien durch, die mehrere Vulkanausbrüche abdecken, und vergleichen die klimatischen und gesellschaftlichen Auswirkungen verschiedener Ausbrüche im Zeitverlauf. Das neuartige Material für unser Projekt stammt aus schriftlichen historischen Quellen, während unsere Kooperationspartner die Daten bereitstellen, die in den „Archiven der Natur“ wie Baumringen, Eisschichten und Sedimenten gespeichert sind.
Mehr Informationen finden Sie hier.
Eingeschränktes Gehen
Geschichte der Fussgängermobilität im Automobilzeitalter (Schweiz, 1920-2020)
Dieses Forschungsprojekt untersucht die Entwicklung des Gehens in einer Zeit zunehmender Motorisierung anhand der Analyse öffentlicher Diskurse über Fussgänger:innen, Fussgängeraktivismus und der Entwicklung der Fussgängerinfrastruktur. Das Projekt setzt in den 1920er Jahren an, als die Behörden in westlichen Gesellschaften Fussgänger:innen von den Strassen verdrängten, und reicht bis ins Jahr 2020, als die Pandemie die Mobilitätstrends veränderte und zur Förderung des Fussverkehrs beitrug. Diese Studie soll Aufschluss über die Auswirkungen der Diskurse über Fussgänger:innen sowie über Faktoren geben, die den öffentlichen Raum zwischen verschiedenen Nutzungen aufteilten.
Das Ziel dieses Projekts ist es, die Entwicklung der Legitimität des Fussgängerverkehrs im öffentlichen Raum in der Schweiz zwischen 1920 und 2020 anhand von zwei Themen zu analysieren: den Diskursen über Fussgänger:innen und der Infrastruktur für den Fussgängerverkehr. Dieses Projekt betrachtet die Fussgänger:innen ausschliesslich im Zusammenhang mit der Entwicklung des motorisierten Individualverkehrs und knüpft an die Forschungen zur politischen Geschichte des Autos in der Schweiz an.
Mehr Informationen finden Sie hier.

At the Crossroads of Commodity Frontiers: Food, Agriculture, and the Environment in Switzerland in the Age of Global Capitalism, 1870s-1930s
Da die Schweizer Volkswirtschaft bereits im 19. Jahrhundert eng mit der Weltwirtschaft verflochten war, bietet sie einen einzigartigen Fall, um zu analysieren, wie frühere Gesellschaften mit den Herausforderungen der Globalisierung und Industrialisierung in den Bereichen landwirtschaftliche Produktion, Lebensmittelversorgung und Umweltauswirkungen umgegangen sind. Im Mittelpunkt des Forschungsprojekts stehen insbesondere drei «Commodity Frontiers»: die Milch/Käse-Frontier, die Getreide-Frontier und die Vieh/Schlachtvieh-Frontier.
Die in diesem Forschungsprojekt aufgeworfenen Fragen weisen auf einige entscheidende Probleme unserer heutigen Welt hin. Debatten über den ökologischen Fussabdruck fortgeschrittener Industriegesellschaften wie der Schweiz, über die Chancen und Gefahren der Globalisierung, über die Rolle der Landwirtschaft und des Lebensmittelkonsums bei der Suche nach Wegen aus der nicht nachhaltigen Entwicklung der heutigen Gesellschaft haben das öffentliche Interesse an den historischen Wurzeln dieser aktuellen Phänomene geweckt. Das Projekt verspricht neue Erkenntnisse und historisches Orientierungswissen über die wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen mit denen heutige Gesellschaften zu kämpfen haben.
Mehr Informationen finden Sie hier.

Euro-Climhist – Wege zur Wetternachhersage
Leitung: Prof. Dr. Christian Rohr
Vom Menschen dokumentierte Nachrichten zur Witterung, ob detailliert beschrieben, nebenbei angemerkt oder gemessen, gehören zu den wichtigsten Quellen der Klimageschichte. Unter Klima versteht man die (statistische) Zusammenfassung von Wetterereignissen an einem bestimmten Ort über einen langen Zeitraum, d.h. von dreissig Jahren und mehr, während das Leben der Menschen dem Rhythmus der Witterung von einigen Tagen oder Wochen folgt. Mit Euro-Climhist werden witterungs- und klimageschichtliche Daten mit einer benutzerfreundlichen Suche zugänglich gemacht, tägliche Wetterdaten ebenso wie Extremereignisse mit ihren Auswirkungen auf menschliche Gesellschaften und langfristige Klimaverläufe. Die Quellen reichen von privaten Wettertagebüchern und frühen Messdaten bis hin zu Gletscherbildern oder Abrechnungen über die jährliche Getreideernte. Das Projekt begann schon Ende der 1980er-Jahre und wurde immer wieder an die neuen technischen Möglichkeiten angepasst und inhaltlich erweitert. Ergebnisse aus Forschungsprojekten an der Universität Bern sind ebenso enthalten wie die von Kooperationspartnern aus ganz Europa.
Weitere Informationen finden Sie auf der Euro-Climhist-Seite.
Votivbilder: Zeugnisse religiöser Prävention und Bewältigung bedrohlicher Naturereignisse
Überschwemmungen, Unwetter, Erdrutsche und Lawinen gefährden Menschen seit jeher, und die Bedrohung durch derartige Ereignisse ist heute präsenter denn je.
Wie bewältig(t)en historische und aktuelle Gesellschaften solche bedrohlichen Ereignisse? Welche Rolle spiel(t)en religiöse Praktiken nebst Massnahmen wie Umsiedlungen oder baulichen Anpassungen?
Im Postdoc-Projekt „Votivbilder: Zeugnisse religiöser Prävention und Bewältigung bedrohlicher Naturereignisse“ werden religiöse Strategien im Umgang mit extremen Naturereignissen im deutschssprachigen Raum der Frühen Neuzeit untersucht. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Analyse von Votivbildern, die u.a. auch auf materieller und bildlicher Ebene Aufschluss über die Rolle der Religion in der Prävention und Bewältigung von extremen Naturereignissen geben.

