
Territorial Aesthetics: Genoa’s Visual Politics across Mediterranean Ecologies, 1625–1655
Das Projekt untersucht die Entstehung von Territorium als politische, religiöse und ökologische Kategorie im ästhetischen Diskurs der Frühen Neuzeit. Sie untersucht, wie Territorien in Bildern Gestalt annehmen und wie Bilder ihrerseits zur Gestaltung terrestrischer, aquatischer und küstennaher Umgebungen beitragen. Sie verfolgt die visuelle Präsenz von Territorium in Gemälden, Skulpturen und Druckgrafiken – mal als Stadtmodell, als Küstenansicht, als Personifizierung eines realen oder imaginären Landes oder als Randdetail in einem Altarbild. Die Studie konzentriert sich weniger darauf, was ein Territorium darstellt, als vielmehr darauf, wie es durch Form Bedeutung erzeugt, und untersucht, wie Künstler und Mäzene einen ästhetischen Diskurs über das Territorium artikulierten.
Im Mittelpunkt des Projekts steht die visuelle und materielle Kultur der Republik Genua zwischen den 1620er und 1650er Jahren, betrachtet vor dem Hintergrund eines weitreichenden transregionalen Horizonts – von Ligurien, Korsika und Süditalien bis hin zur iberischen Atlantikküste, Nordafrika und der Ägäis. Die Studie bietet eine differenziertere und komplexere Perspektive auf die Kunstgeschichte Genuas in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen und definiert Territorium als ästhetischen Vorgang: als einen instabilen, generativen Prozess, durch den Bilder zu Orten der Resonanz, Interferenz und Beugung zwischen Geopolitik und Geoästhetik werden.
Ecology & Community aus architekturhistorischer Perspektive: Klimawandel, Ökologie und (gebaute) Umwelt
Bauen als kulturelle Praxis ist eng mit Themen der Ökologie und Gemeinschaft verflochten. Mit seinen Bauten prägt der Mensch seit jeher die Umwelt, verändert Landschaften, beeinflusst Ökosysteme und Naturräume, reagiert auf das Klima und trägt gleichzeitig zu dessen Veränderung bei. Die architekturhistorische Untersuchung dieser Themen, sprich die Analyse der Geschichte und ihrer Geschichtsschreibung, kann dazu beitragen, neue Perspektiven auf aktuelle Fragestellungen rund um Klimawandel, Ökologie und (gebaute) Umwelt zu eröffnen und Lösungsansätze zu entwickeln.
Erdöl-Moderne in der arabischen Welt
Architektur, Stadtplanung und urbane visuelle und materielle Kultur im Kontext der Erdölindustrialisierung stellen einen Forschungsschwerpunkt der Abteilung Architekturgeschichte und Denkmalpflege am Institut für Kunstgeschichte dar.
In der aus mehrjähriger Archiv- und Feldforschung zur Erdöl-Moderne auf der arabischen Halbinsel hervorgegangenen Monografie «Iridescent Kuwait: Petro-Modernity and Urban Visual Culture since the Mid-Twentieth Century» (2022) zeichnet Laura Hindelang nach, inwiefern historische Modernitätsvorstellungen in der MENA-Region engstens mit der Förderung und dem Verbrauch fossiler Brennstoffe verflochten waren und wie die Faszination für fossile Lebenswelten bis heute ein kulturelles Hindernis für den Vollzug der Energiewende darstellt. Diese Forschungen zeigen, dass Kunst- und Architekturgeschichte einen wesentlichen Beitrag zur Identifizierung von Hindernisfaktoren in der Klimawende leisten können. Die Publikation finden Sie hier.


Energie- und Infrastrukturlandschaften
Technische Infrastrukturen – Verkehrs-, Energie und Kommunikationssysteme – sind nicht nur eine zentrale Grundlage moderner Gesellschaften und Wirtschaftssysteme, sie üben auch entscheidenden Einfluss auf die Umwelt und das Klima aus. Verschiedene Projekte am Institut für Kunstgeschichte, Abteilung Architekturgeschichte und Denkmalpflege, beschäftigen sich mit der Geschichte und Entwicklung von Energielandschaften und Infrastruktursystemen, ihren Auswirkungen auf die (gebaute) Umwelt und ihren gesellschaftlichen und ökologischen Implikationen.
2025 fand eine internationale Konferenz zum baukulturellen Erbe des Atomzeitalters statt, die auch den Umgang mit den Atomkraftwerken der Schweiz beleuchtete. Aus dieser hat sich die International Nuclear Cultural Heritage Working Group formiert: Nuclear Cultural Heritage – Internationale Tagung und Working Group.
Das Radio SRF und das Radio Raabe haben in zwei Beiträgen über die Nuclear Cultural Heritage Konferenz an der Universität Bern berichtet.
Zudem beschäftigt sich ein Promotionsprojekt an der Abteilung seit 2023 mit der Baukultur des motorisierten Individualverkehrs in der Schweiz. Anne-Catherine Schröter untersucht darin die verschiedenen Baugattungen und Infrastrukturen, die sich im Laufe des 20. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Automobilisierung entwickelt haben – von Tankstellen und Parkhäusern über Raststätten bis hin zu Autobahnen – und beleuchtet dabei auch die landschaftlichen und räumlichen Auswirkungen dieses infrastrukturellen Netzwerks.

