Ecology & Community:
Cultural Environmental Perspectives

Die Veränderung von Siedlungssystemen im späten 3. Jt. v. u. Z. in der Mesopotamischen Schwemmebene auf Basis archäologischer Surveys

HyMes: Hydrography of Mesopotamia. 
Rivers and Channels in Babylonia from the 4th to 1st Millennium BCE

Prof. Dr. Mirko Novák, Prof. Dr. Andreas Zischg, Prof. Dr. Rita Gautschy, PD Dr. Ingo Schrakamp

In der Menschheitsgeschichte nimmt Mesopotamien eine herausragende Rolle ein. Hier entstanden im Süden des heutigen Iraks im 4. Jahrtausend vor unserer Zeit (v. u. Z.) die ersten komplexen, städtischen Gesellschaften und es entwickelte sich eine Schriftkultur.
Aufgrund des ariden Klimas sind Euphrat und Tigris die Lebensadern eines Kulturraumes, in dem Leben andernfalls nicht möglich wäre. Luft- und Satellitenbilder zeigen deutlich, dass sich das Landschaftsbild durch die Verlagerung der Flüsse über die Jahrtausende immer wieder verändert hat. Mit den Flüssen hat sich auch die Lage der Siedlungen verändert, wie Beispiele Ende des 3. Jts. v. u. Z. zeigen.
Ziel des HyMes-Projektes ist es, Rückschlüsse zu ziehen, wie das frühere Flusssystem gesellschaftliche, politische und technologische Entwicklungen Mesopotamiens mitgetragen hat. Wie haben sich Mensch und Umwelt gegenseitig beeinflusst? Wann führten Flussverlagerungen und Überschwemmungen zur Aufgabe von Siedlungen? In welchem Ausmass wurde neues Land durch Kanäle und Bewässerungswirtschaft für die Besiedlung erschlossen?

Das transdisziplinäre Projekt, an dem Forschungsgruppen aus der Archäologie, Geografie, Philologie und den Digital Humanities beteiligt sind, führt archäologische, geologische und textliche Hinweise zusammen. Hydraulische Modellierungen helfen, Wassermengen zu berechnen und abzuleiten, welche Feldergrössen damit bewässert werden konnten. Paläokanäle, ergänzt durch Höhenprofile, liefern Informationen über alte Wasserläufe. Die Datierung archäologischer Fundstellen hilft, Nutzungsperioden von Wasserläufen zu bestimmen. Informationen aus Keilschrifttexten ergänzen das Modell und machen so historische Verbindungen sichtbar. Auf diese Weise entsteht ein Werkzeug, mit dem
wir die historische Entwicklung der Landschaft in der mesopotamischen Schwemmebene besser verstehen.

Die Wechselbeziehungen zwischen Landschaft, Gesellschaft und Viehzucht: Viehhaltung auf Zypern in der Spätbronzezeit

Prof. Dr. Teresa Bürge

Als Teil des SNSF Starting Grants Understanding Socio-Economic Complexity in the Eastern Mediterranean during the 2nd Millennium BCE wird dieses Projekt unter der gemeinsamen Leitung mit Dr. Anna Spyrou durchgeführt.
Die Verflechtung von Landschaft, Gesellschaft und Viehzucht ist ein charakteristisches Merkmal agrarischer Gesellschaften. Sie ist besonders ausgeprägt in kleinen, vorindustriellen Gemeinschaften, in denen Tiere und ihre Erzeugnisse sowohl ökonomisch als auch sozial eine grundlegende Rolle spielen. Hier werden landwirtschaftliche Praktiken durch ökologische Möglichkeiten und Voraussetzungen, sowie durch gesellschaftliche Bedürfnisse und soziale Strukturen determiniert. Dies äussert sich in verschiedenen Bereichen wie der Herstellung, Verarbeitung und Verteilung von Produkten, der Landnutzung, der Ernährung, den Mobilitätsmustern, den Eigentumsverhältnissen und der Arbeitsteilung.
Ziel des Projektes ist ein besseres Verständnis der Landnutzung und damit auch der Organisation der zyprischen Gesellschaft in der Spätbronzezeit. Daher werden folgende Forschungsfragen mit transdisziplinären Methoden bearbeitet:

  • Wie waren die Viehzucht sowie die Verteilung und Konsumption von Tierprodukten in verschiedenen spätzyprischen Siedlungen organisiert?
  • Welche Ressourcen wurden hauptsächlich für die Viehzucht genutzt?
  • Wie war die Bewirtschaftung der Weiden regional und überregional in Hinblick auf die Landschaftsnutzung organisiert?
  • Wie können die durch die zooarchäologische Analyse gewonnenen Informationen zu einem umfassenderen Verständnis der Wirtschaft, Landschaft und gesellschaftlichen Organisation beitragen?
Eine indigene Kuh weidet im Marschland von Akrotiri, Zypern. (Foto: Anna Spyrou).

Textile Landschaften Zyperns (TeLaCY): Ressourcen und Strategien für die Textilproduktion von der Bronzezeit bis zur hellenistischen Zeit

Dr. Giulia Muti

Textile Landschaften Zyperns (TeLaCY) ist ein Projekt des Schweizerischen Nationalfonds (SNF). Es zielt darauf ab, die Ressourcen und Produktionsstrategien der antiken Textilherstellung auf Zypern langfristig zu synthetisieren und zu modellieren, indem Landschaftsanalysen in die Textilforschung einbezogen werden. Die Textilproduktion ist von sozialer und wirtschaftlicher Bedeutung, und es wird vermutet, dass sie sich im untersuchten Zeitraum von der Bronzezeit (ca. zweite Hälfte des zweiten Jahrtausends v. Chr.) bis zur hellenistischen Zeit (ca. 4. bis 1. Jahrhundert v. Chr.) zu einem spezialisierten Bereich entwickelt hat, der einen Überschuss und/oder Mehrwert erzeugte. Die Fabrikation war wahrscheinlich auf die umfangreiche Nutzung natürlicher Ressourcen angewiesen.
Die zentralen Fragen, die diese multidisziplinäre Forschung antreiben, lauten:

  • Welche Strategien und spezifischen Bedürfnisse gab es in Zypern im Bereich der Textilproduktion?
  • Verfügte die Insel über alle notwendigen Ressourcen und die Kapazitäten, diese zu verwalten?