Ecology & Community:
Cultural Environmental Perspectives

Ecological Codes: Constructing Nature in Literature

Dr. Felix Lempp, Prof. Dr. Mareike Schumacher (Universität Regensburg), Marie Flüh, M. Ed. (Universität Hamburg)

Dass Kultur und Natur keine Gegensätze sind, sondern das, was als ‘Natur’ aufgefasst wird, immer menschliche Konstruktion ist, ist gemeinsame Grundannahme aller Ansätze des Ecocriticism. Das Projekt Ecological Codes: Constructing Nature in Literature beschäftigt sich mit der Frage, welchen spezifischen Beitrag Literatur zu dieser kulturellen Konstruktion von ‘Natur’ leistet. Insofern Inszenierungen und Bewertungen von (scheinbar) nicht-menschlicher Umwelt immer schon Teil des literarischen world buildings sind, entwerfen die Texte mit ihrem Handlungsraum auch epochen-, genre- und geschlechterspezifische Vorstellungen von einer Umwelt, in die die meist menschlichen Protagonist:innen unauflöslich verflochten sind.

Diese literarischen Entwürfe untersucht das Projekt in einer Verbindung qualitativer und quantitativer Analyseansätze. Es fragt nach der Darstellung von Pflanzen, Tieren und ihren Lebensräumen in der deutschsprachigen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Aus der quantitativen Perspektive der Digital Humanities vermittelt es erste Einsichten in die literarische Funktionalisierung von diesen Tieren, Pflanzen und ihren Habitaten in den Texten (mit Blick auf Dichte, Häufigkeit, Zentralität sowie Diversität, …) und modelliert ein Korpus ökologisch besonders ‘sensibler’ Texte.          
Die Analysen der qualitativen Literaturwissenschaft stellen die quantitativen Erkenntnisse in Beziehung zu Fragen nach der Handlungsmacht und -absicht der den Pflanzen und Tieren begegnenden menschlichen Figuren sowie zu Fragen der (botanischen, zoologischen, …) Wissensgeschichte: Wie beeinflusst Wissen über nicht-menschliche Lebensformen die Handlungsentwicklung in einzelnen Texten? Ist die entworfene Umwelt mit Blick auf die Figuren, aber auch die Autor:innen eine geschlechterspezifische und unterscheidet sich das mehr als menschliche world building in verschiedenen Textgattungen?

Weil die Verbindung qualitativer und quantitativer Analysemethoden die Untersuchung eines Korpus von mehreren hundert Texten erlaubt, lassen sich auch Fragen nach der historischen Entwicklung literarischen world buildings stellen: Wie entwickelt sich die ‘Biodiversität’ der Texte über die Zeit – nimmt z.B. die Anzahl explizit genannter Pflanzen- und Tierarten zu oder ab? Welchen Einfluss haben die ökologischen Krisen des anthropozänen Zeitalters auf die Text-Umwelten? In der Bearbeitung dieser und ähnlicher Fragen entwirft das Forschungsprojekt erste Ansätze einer ökologischen Literaturgeschichte des Anthropozäns.

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Namenforschung

Prof. Dr. Luise Kempf

Familiennamen entstanden im Gebiet der heutigen Schweiz schon ab dem 13. Jahrhundert. Daher legen sie Zeugnis ab über mittelalterliche Sprache und Kultur. Nicht nur Berufe (Diriwächter), Verwandtschaftsverhältnisse (Neff, Oheim) oder Verhalten (Ohnsorg) spiegeln sich in ihnen wider, sondern auch das Verhältnis zwischen Gesellschaft und Umwelt. Wohnstättennamen wie Zumthor lassen erahnen, welche landmarks in der mittelalterlichen Gesellschaft so salient waren, dass sie zur Identifizierung von Personen herangezogen wurden.

Bildet man alle Deutschschweizer Familiennamen ab, die auf abschüssiges Gelände Bezug nehmen, so zeigen sich – wenig überraschend, aber doch eindrucksvoll – Verdichtungen in den (vor)alpinen Räumen. Die Karte zeigt die Verbreitung vor 1800 von über 400 einschlägigen Familiennamen – darunter Gfeller (BE, zu Gefälle) oder Zlauwinen (VS, zu Löüwine ‘Geröllrutschung’).

Ein nahezu komplementäres Raumbild zeigen Berufsnamen zu Getreideanbau, Mehlgewinnung und Bäckereigewerbe. Die Karte umfasst 57 einschlägige Namen; grössere Kreise stehen für höhere Anteile dieser Namen pro Bezirk. Dabei sticht das nördliche Mittelland gegenüber (vor)alpinen Räumen heraus. Dies widerspiegelt einerseits, dass Getreideanbau im Bergland nur in geringerem Mass möglich war (stattdessen spielten Viehwirtschaft und Milchproduktion eine grössere Rolle); andererseits reflektiert die Namenverteilung indirekt die höhere Urbanität im Norden: Gewerbliche Brotherstellung konzentrierte sich im Mittelalter eher auf Städte, während im ländlichen Raum Selbstversorgung vorherrschte.

Diese und weitere Themen finden sich ab September 2026 in:
Kempf, Luise (Hg.)(2026): Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete. Bd. 3: Lexik und Benennungsmotive. Bearbeitet von Luise Kempf, Simone Berchtold, Linda Steiner, Esther Loosli, Martina Heer, Selma Vonlanthen. Weitere Beteiligte: Lara Schaub. Tübingen: Narr.

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Datenquellen:

Das Kartenmaterial und die Geodaten stammen von swisstopo (2022a; 2022b), die Namendaten aus dem FNB.

FNB = Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung (Hrsg.) (2020): Familiennamenbuch der Schweiz. Datenlieferung aus der Online-Datenbank der 3. Auflage von 1989 (https://hls-dhs-dss.ch/famn/) durch das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) für die Nutzung im Rahmen des Projekts «Familiennamenatlas der Deutschschweiz. Mit Ausblicken auf die romanischen Sprachgebiete».

swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022a): Amtliches Ortschaftenverzeichnis mit Postleitzahl und Perimeter. Datenbezug in der Version 01/2022 von der Webseite https://www.swisstopo.admin.ch/de/amtliches-ortschaftenverzeichnis.

swisstopo = Bundesamt für Landestopografie (2022b): swissBOUNDARIES3D. Administrative Einheiten und Grenzen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in vektorieller Form. Datenbezug in der Version 01/2022 von der Webseite https://www.swisstopo.admin.ch/de/landschaftsmodell-swissboundaries3d.