Ecology & Community:
Cultural Environmental Perspectives

Legal Governmentality – governing climate activism through criminal law and human rights in Europe (LeGo)

Funding: ERC Starting Grant 2026-2031

Dr. Jevgeniy Bluwstein, Zoë Ruge, Motahareh Mohebi

LeGo setzt sich mit Repression, Versicherheitlichung, Kriminalisierung und rechtebasierter Verteidigung von zivilem Ungehorsam im Bereich Klima in Großbritannien und Deutschland auseinander. Klimaaktivismus durch zivilen Ungehorsam ist zu einer zentralen Taktik der europäischen Klimabewegung geworden, um die Untätigkeit von Staaten und Unternehmen angesichts der Klimakrise anzuprangern.
Regierungen reagieren zunehmend mit Repression, Versicherheitlichung und Kriminalisierung auf diesen zivilen Ungehorsam, während NGOs, Aktivist:innen, soziale Bewegungen und transnationale Institutionen wie UN-Sonderberichterstatter ihn verteidigen. Repression, Versicherheitlichung, Kriminalisierung und die Verteidigung von zivilem Ungehorsam verdeutlichen die wachsende Spannung zwischen staatlichen Bemühungen, politische Proteste einzuschränken und zu unterdrücken (oft indem Proteste als Sicherheitsrisiko behandelt werden), und den Bemühungen von Bewegungen, der Zivilgesellschaft und transnationalen Akteuren, Proteste zu legitimieren (indem sie als eine Frage von Rechten behandelt werden).

Theoretisch vertieft das Projekt unser Verständnis darüber, wie über das Dispositiv von Recht (law) und Rechten (rights) im Bereich von Umweltaktivismus regiert wird. Das Hauptforschungsziel besteht darin, zu untersuchen, wie die Verwendung von Sicherheits-Frames, Strafrecht und Menschenrechtsdiskursen sowie Verteidigungsstrategien vor Gericht das Rechtsbewusstsein und das Verhalten von Individuen und Gruppen prägt. Zu diesem Zweck untersucht das Projekt Strafprozesse gegen Klimaaktivist:innen, staatliche Bemühungen zur Verabschiedung neuer Gesetze und zur Mobilisierung von Recht und Sicherheits-Frames zur strafrechtlichen Verfolgung von Aktivist:innen, Bemühungen transnationaler Akteure, Institutionen und Teilen der Bewegung gegen die Kriminalisierung sowie Umgang von Klimaaktivist:innen mit Repression, Versicherheitlichung, Kriminalisierung und rechtebasierter Verteidigung.

LeGo folgt einem Mixed-Methods-Forschungsdesign und stützt sich auf Methoden und Konzepte der Politischen und Rechtsanthropologie sowie der Geographie, der Forschung zu sozialen Bewegungen und Mobilisierung sowie der Critical Legal Studies. Die Methoden umfassen Text- und Diskursanalysen von Strafprozessakten und -entscheidungen, eine Politik- und Diskursanalyse staatlicher Bemühungen zur Verabschiedung neuer Gesetze und zur Mobilisierung bestehender Gesetzte und Sicherheits-Frames, Diskursanalysen von Interventionen zur Verteidigung von zivilem Ungehorsam im Klimabereich, courtroom ethnography von Strafprozessen sowie Interviews und teilnehmende Beobachtung mit betroffenen Gruppen und Personen, die Repression, Versicherheitlichung und Kriminalisierung ausgesetzt sind.

Das Projekt folgt ethischen Standards der anthropologischen Forschung, räumt der Sicherheit und Handlungsfähigkeit der Teilnehmenden Priorität ein und setzt auf gleichberechtigte Partnerschaften durch ein transdisziplinäres Forschungsdesign und Methodik.

Obergericht Zürich, 04.07.2023 © Morpork

Juridification of climate politics in the name of climate emergency: the case of climate activism and litigation in Switzerland

Funding: SNSF Ambizione 2023-2026

Dr. Jevgeniy Bluwstein, Lucie Benoit

Basierend auf interdisziplinärer Forschung in den Bereichen Rechtsanthropologie, politische Ökologie und politische Ökonomie sowie auf Methoden wie courtroom ethnography, teilnehmender Beobachtung, Interviews und Diskursanalyse untersucht dieses Projekt, wie die Schweizer Klimabewegung die Gerichte mobilisiert, um die Klimapolitik durch Verrechtlichung zu transformieren.

Empirisch konzentriert sich das Projekt auf die Schweizer Klimabewegung und darauf, wie sie Rechtskonflikte durch verschiedene Formen von Kampagnen, Protesten und Gerichtsverfahren mobilisiert. Dies umfasst sowohl strategische Klagen gegen Staaten (z. B. KlimaSeniorinnen gegen die Schweiz) und Unternehmen (z. B. Asmania et al. gegen Holcim) als auch Strafverfahren gegen Klimaaktivist:innen, die zivilen Ungehorsam geleistet haben (z. B. Extinction Rebellion).

Das Projekt untersucht, welche Gerechtigkeitsforderungen Aktivist:innen durch verschiedene Formen von Kampagnen, Protesten und Gerichtsverfahren artikulieren, welche Rechtsstrategien Klimaaktivist:innen und ihre Anwält:innen in Klagen und Prozessen vor Gericht verfolgen und wie der Staat auf Klimaaktivismus reagiert (durch Polizei, Staatsanwaltschaft, Richter:innen und legislative Initiativen).

PhD Projektbeschreibung

Lucie Benoit

Lucie Benoit ist Doktorandin im Rahmen des SNSF Ambizione Projekts. Ihre Forschungsinteressen liegen in der Rechtsanthropologie, den Critical Legal Studies sowie der grafic ethnography. Lucie untersucht Strafprozesse gegen Klimaaktivist:innen in der Schweiz, die wegen verschiedener Formen des disruptiven Protests – bspws. unbewilligte Demonstrationen oder Straßenblockaden – strafrechtlich verfolgt werden. Auf der empirischen Grundlage von courtroom ethnography erforscht sie die Möglichkeiten und Grenzen dieser Prozesse als Aushandlungsorte über disruptiven Protest und dessen Übersetzung in die diskursiven und materiellen Räume des Rechts. Dabei versucht sie, dichotomische Darstellungen von Strafprozessen als Instrumente der Herrschaft oder als Räume des Widerstands zu hinterfragen.

Conservation Labor: A New frontier in Labor Theory and Conservation Science (CONLAB)

Funding: Research Council of Norway Fripro 2023-2026

University of Bern Co-Investigator: Dr. Jevgeniy Bluwstein

Other project members: Dr. Anwesha Dutta (PI, Christian Michelsen Institute, Norway), Dr. Amber Huff (Co-I, Institute of Development Studies, UK), Dr. Francis Masse (Co-I, Durham University, UK)

CONLAB untersucht, wie Naturschutzprojekte die Arbeitsdynamiken in betroffenen Gemeinschaften im Globalen Süden sowie über Nord-Süd-Naturschutzgeographien hinweg prägen. CONLAB konzeptualisiert Naturschutz als eine Produktionsweise, die verschiedene Formen bezahlter und unbezahlter Arbeit erfordert und daraus Wert generiert. Das Projekt verortet und theoretisiert Naturschutzarbeit (conservation labor) im breiteren Kontext eines internationalen Naturschutz-Arbeitsregimes (conservation labor regime).
Dieses Arbeitsregime wird durch eine spezifische Arbeitsteilung und Arbeitsdynamiken in kapitalistischen Gesellschaften und postkolonialen Kontexten gestützt, die durch tief verwurzelte soziale Hierarchien entlang von Geschlecht, Klasse, Kaste, race und Ethnizität gekennzeichnet sind. Von diesem Standpunkt aus untersucht CONLAB die Arbeitsteilung und Arbeitsdynamik:
innerhalb und außerhalb des Naturschutzsektors,
über soziale Identitäten wie Geschlecht, Klasse, Kaste, race und Ethnizität hinweg,
sowie über Hierarchien von bezahlter, unterbezahlter und unbezahlter Arbeit für den Naturschutz hinweg.
Durch die Analyse dieser Dimensionen möchte das Projekt verstehen, wie Naturschutz die Existenzsicherungsstrategien und den Zugang der Menschen zu Arbeit beeinflusst, sowie die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Arbeitsmärkte in verwandten Bereichen wie Tourismus, Transport und Gastgewerbe untersuchen. Die Forschung wird mit einem Mixed-Methods-Ansatz durchgeführt, der Umfragen, Fokusgruppendiskussionen, semistrukturierte Interviews und teilnehmende Beobachtung umfasst. Das Forschungsteam besteht aus Nachwuchs- und erfahrenen Wissenschaftler:innen mit Expertise in Politischer Ökologie, sozialwissenschaftlicher Naturschutzforschung, Humangeographie, Entwicklungsforschung und Agrarwandel (agrarian change).

Mehr Informationen auf der Projekt-Webseite.